Thomas Morus

  (Hans Holbein der Jüngere, 1527)

 

 

     "Nie habe ich daran gedacht, einer Sache zuzustimmen,

      die gegen mein Gewissen wäre"

 

 

In diesem Ausspruch hat uns Thomas Morus (in der englischen Schreibweise Thomas More) den tiefsten Kern seiner Persönlichkeit und die Richtschnur für all sein Handeln enthüllt: als Meister des lebenszugewandten Humanismus, als scharfer Gesellschaftskritiker und als erfolgreicher Staatsmann. In einem Leben voller Klarheit und aufrichtiger Bestimmtheit wußte er sich in allem Gottes Willen verpflichtet, so schwer die Entscheidungen oft auch sein mochten. Darin verkörpert er den Typus des modernen Heiligen, fern aller monastischen Askese, romantischen Wundersucht und geistiger Einseitigkeit.

Aus seinem Leben

Thomas Morus wurde am 6. Februar 1478 als Kind wohlhabender. aber einfacher bürgerlicher Eltern geboren. Streng erzogen zu Gottesfurcht und Einfachheit lernte er schon in jugendlichem Alter als Page am Hofe des Kardinals Morton von Canterbury das Leben der großen Gesellschaft und der humanistischen Gelehrten seiner Zeit kennen. 1492 bezog er die Universität von Oxford. In dieser Zeit begegnete er Erasmus von Rotterdam, mit dem ihn dann eine Freundschaft fürs Leben verband. Auf Wunsch des Vaters kehrte er um 1500 wieder nach London zurück. um Jura zu studieren. Noch war ihm aber nicht klar, welchen Weg Gott für ihn bestimmt hatte. Nach ehrlicher Selbstprüfung in der Zurückgezogenheit einer Kartause ward er sich aber bald bewußt, daß sein Beruf in der Welt war. Er entschloß sich endgültig, Rechtsanwalt zu werden und eröffnete in London eine Praxis. Schon 2 Jahre später wurde er als Richter an das oberste Gericht berufen. Um das Jahr 1505 heiratete Thomas Morus. Seine Ehe war auf echt christlicher Grundlage aufgebaut. Nach dem Tode seiner Frau, die ihm 4 Kinder schenkte, vermählte er sich zum zweitenmal. Sein Haus in Chelsea wurde in dieser Zeit besonders zum Mittelpunkt bedeutender Gelehrter und Künstler (u. a. Hans Holbein).

Mit der Regierungszeit Heinrichs VIII. begann dann auch sein Aufstieg in den Staatsdienst. Seine Klugheit. seine umfassenden Kenntnisse. seine diplomatischen Fähigkeiten - in erfolgreichen Missionen erprobt -, seine stete Heiterkeit und sein tiefgründiger Humor machten ihn zum angesehenen Ratgeber und Freund des Königs, der ihm 1529 das Amt des Lordkanzlers übertrug. Daß seine Beziehungen zum König aber auch auf die unverrückbaren Grundsätze der Unbestechlichkeit. Treue und Wahrhaftigkeit gegründet waren. sollte ihm bald zum Verhängnis werden. Heinrich VIII. bemühte sich um die Scheidung der rechtmäßig geschlossenen Ehe mit Katharina von Aragonien. um seine Hofdame Anna Boleyn heiraten zu können. Thomas jedoch weigerte sich. seine Zustimmung zu geben, da er dieses Vorgehen für unvereinbar mit dem göttlichen Recht hielt. Unbeirrbar ging er in der Folgezeit seinen Weg als Märtyrer seines Gewissens. Zutiefst überzeugt. daß der König persönlicher Interessen wegen die ewig gültige Wahrheit und Ordnung Gottes mißachtete. stellte er sein Amt als Lordkanzler zur Verfügung. verweigerte er den Suprematseid, der den König als obersten Herrn der Kirche Englands anerkannte und somit den Abfall von der Kirche vollzog, und nahm er die 11:Jährige Haftzeit im Tower auf sich. Nach langem. inneren Ringen ist er um seiner Gewissensüberzeugung willen auch bereit, jede Strafe, selbst den Tod, anzunehmen. Am 6. Juli 1535 betrat er ungebrochen das Blutgerüst. Seine letzten Worte an das Volk lauteten: ,.Ich nehme euch zu Zeugen, daß ich im Glauben und für den Glauben der hl. katholischen Kirche und als treuer Diener des Königs, aber in erster Linie als treuer Diener Gottes sterbe. Betet für den König, daß Gott ihn führe und erleuchte." - Das ist Humanitas in ihrer edelsten Form.